Oper in drei Akten und zwölf Bildern (1957)
Musik & Libretto von Francis Poulenc
nach dem gleichnamigen Schauspiel von Georges Bernanos
„Die Angst, die wirkliche Angst“, so schrieb Georges Bernanos, auf dessen Stück Die begnadete Angst das Libretto basiert, „ist ein rasender Wahnsinn. Von allen Tollheiten, deren wir fähig sind, ist sie sicher die grausamste. Nichts kommt ihr an Heftigkeit gleich, nichts vermag ihrem Ansturm standzuhalten.“
Für Blanche de la Force ist Leben Angst: Ihre Mutter war 1770, am Tag der Hochzeit des Dauphins, in eine aufgebrachte Volksmasse geraten. Vor Schrecken kam sie vorzeitig mit Blanche nieder und starb. 1789 gerät auch Blanche in eine wütende Volksmenge. Das Erlebnis bestärkt sie, in den Orden der Karmeliterinnen einzutreten. Die Priorin, Madame de Croissy, warnt davor, nur aus Furcht vor der Welt den Schleier zu nehmen. Aber der Ordensname, den Blanche sich wünscht – „Blanche von der Todesangst Christi“ – rührt sie, denn auch sie wollte einst diesen Namen annehmen. Blanche darf bleiben. Indessen bricht die Revolution aus, die Klöster werden aufgelöst. Die Schwestern schwören, notfalls für ihren Glauben zu sterben. Danach flieht Blanche aus der Gemeinschaft. Bald werden die Nonnen zum Tode verurteilt. Auf dem Weg zur Hinrichtung singen sie das „Salve Regina“. Da kehrt Blanche zu ihnen zurück, nimmt den Gesang auf, und besteigt als letzte freiwillig das Schafott.
Die Geschichte ist größtenteils wahr: 1794 stiegen 16 Karmeliterinnen aus Compiègne singend aufs Schafott. Poulenc schuf bewegende psychologische Studien der außergewöhnlichen Frauen. Im Zentrum der Komposition steht deshalb das Wort, das Gespräch. Mit der differenzierten Führung der Gesangslinien sowie mit einer subtilen Orchesterbehandlung schildert Poulenc in optimaler Textverständlichkeit Angst, Verzweiflung, Mut, Fanatismus und Gottergebenheit. Nach der überwältigend erfolgreichen Aufführungsserie 2008 ist Robert Carsens klare, eindringliche Inszenierung erneut im Theater an der Wien zu sehen.