Stimmt Juan Diego Flórez ‚Una furtiva lagrima‘ an, dann ist dies ein solcher Moment – und darf gleichzeitig als Beleg dafür gelten, dass ein Akt höchster künstlerischer Souveränität in pure emotionale Wirkung umschlagen kann. Der Nemorino-Normalfall – das ist“, so war da weiter zu lesen, „ungefähr jener, dass da ein Tenor mehr vom betörenden Timbre her seine Herzensnöte in Töne zu gießen versteht oder, seltener, zwar weniger einschmeichelnd klingt, dafür aber über ein besseres technisches Rüstzeug verfügt. Juan Diego Flórez hingegen vereint beides – und mehr: Virtuosität und Expression bedingen einander, werden eins in seinem Gesang. Die nach minutenlangem Jubel Da capo gegebene, dann noch gefühlvoller ausgekostete Arie geriet erneut zum Lehrstück in erfühlt-erfülltem Belcanto.“ Juan Diego Flórez im Schloss Esterházy – da ist sängerisch so gut wie alles möglich, vom Schubert-Lied bis zu Jacques Offenbach, von Rossini bis Puccini und Massenet, nicht zu vergessen die populären südamerikanischen Hits, bei denen er sich selbst auf der Gitarre begleitet: ein Fest der Vokalkunst allenthalben.