In Wahrheit wurden diese Variationen „denen Liebhabern zur Gemüth’s Ergetzung verfertiget“ – und hoben die bisher eher auf gefällige Zerstreuung zielende, von Bach nach einigen Jugendwerken lange Zeit gemiedene Gattung auf ein ungeahntes, unerhörtes kompositorisches Niveau: Die dreißig „Veränderungen“ sind mit einer Unzahl kontrapunktischer Finessen durchwirkt, die an Hörer und Interpreten höchste Anforderungen stellen. Einschlafen? Man kann gar nicht wach genug sein, um die Goldbergvariationen voll erfassen zu können. Die treffliche Bearbeitung für Streichtrio, die der russische Geiger und Dirigent Dmitri Sitkovetsky vorgenommen hat, macht das desto plastischer erlebbar – und die leidenschaftlichen Kammermusiker Julian Rachlin, Sarah McElravy und Boris Andrianov durchleuchten das Stimmengeflecht mit Delikatesse und Emphase.
Johann Sebastian Bach: Goldbergvariationen BWV 988 für Streichtrio