Schwer zu glauben, dass dieses für die beiden Leipziger Hauptkirchen 1734 geschriebene Werk zu Bachs Lebzeiten nur einmal aufgeführt wurde, dann erst wieder Mitte des 19. Jahrhunderts. Heute ist diese wunderbare Musik aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken! Wunderlich scheint manchen heute noch, dass Bach in seinen Kantaten weltliche Musik mit neuem, geistlichem Text ein- und umgearbeitet hat. Im Barock war dies jedoch die weit verbreitete Praxis der so genannten "Parodie". Die sechs Teile des Meisterwerks wurden als einzelne Kantaten zwischen dem Christtag und Epiphanie in den Kirchen aufgeführt. Heute im Konzert hört man sie meist gemeinsam. In Innsbruck bereitet eines der besten österreichischen Orchester für Alte Musik unter Michi Gaigg mit den Kantaten I, IV-VI prächtige vorweihnachtliche Freude.
19.15 Uhr Einstimmung: Weihnacht um 1734
musik+:
"Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an."
Das meinte E. T. A. Hoffmann, einer der vielbegabten deutschen Romantiker. Wir stellen die 8. Saison von musik+ unter diesen Leitsatz. Musik ist ein Medium universeller Verständigung, gerade wenn Sprachen an ihre Grenzen stoßen. musik+ lädt Sie ein, Musik und Kunst in ihrer Ganzheit zu erleben, konstruierte Grenzen aufzuheben. So erfahren Sie bei uns musikalische Höhepunkte, unterschiedlichste Abenteuer und spannende Experimente. Musik ist immer ein Aufbruch ins „Fruchtland“ jenseits der Grenzen (nach Paul Klee).
2011/12 finden Sie als einen Schwerpunkt die große Musik des Johann Sebastian BACH, im Zentrum drei seiner bekanntesten Werke, in denen die Beredsamkeit seiner Musiksprache besonders berührend ist: das „Weihnachtsoratorium“ (L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg) und die „Johannespassion“ (Orchester des 18. Jahrhunderts, Frans Brüggen). Als dritten Abend erleben Sie die „Goldberg-Variationen“ (Ingrid Marsoner — Klavier). Ein Wechselbad der Empfindungen bescheren uns auch TELEMANN, HÄNDEL und VIVALDI (Dorothee Oberlinger & Ensemble 1700). In die Tiefen des Lebens und des Todes führt uns W. A. MOZART mit seinem „Requiem“ und der ebenfalls unvollendeten großen „c-Moll-Messe“ (Kammerchor Stuttgart, Frieder Bernius). Mit BEETHOVEN und seiner 8. Symphonie finden wir zu fast ekstatischer Lebensfreude (Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini).
Speziell für musik+ haben wir gemeinsam mit den Musikern einige ungewöhnliche Abende entwickelt. Unter anderem die Verbindung von LIGETI, XENAKIS, DUTILLEUX und DVOŘÁKs Klavierquintett op. 81 (Hugo Wolf Quartett, Christoph Berner — Klavier), wie auch der Zusammenhang von Polyphonie der Renaissance und Musik des 21. Jahrhunderts (Capilla Flamenca, HERMESensemble). Am Ende der Saison steht wieder ein Fest — diesmal mit italienischer Volksmusik (Accordone, Marco Beasley), die aus mündlicher Überlieferung von den Musikern zusammengesucht wurde.