"Wenn es mir schlechter nicht mehr gehen kann und ohnehin schon alles gleichgültig ist, werde ich mich, kurz vor dem endgültigen Tod, der Gesellschaft (irgendeiner) anschließen."
Der Satz aus Peter Handkes Journal "Das Gewicht der Welt" könnte so etwas wie ein Motto zu "Untertagblues" sein. "Der Volksredner oder Wilde Mann oder Spielverderber oder Volksfeind, oder was auch immer er darstellt", begibt sich in Gesellschaft, nimmt ein Bad in der Menge, tritt eine Höllenfahrt in den Alltag der Mehrheit an. Er findet Verachtung und Verächtlichkeit, hässliche Zufriedenheit und zufriedene Hässlichkeit, Sehnsuchtslosigkeit und Mangel an Mangelbewusstsein. Allen scheint alles offen zu stehen und allem sind sie verschlossen. Nicht einmal Trauer und Verzweiflung seiner Mitmenschen sind mehr groß genug, als dass er sie noch schön nennen könnte. Hinter der großen Schmährede an sein Publikum, hinter allem Furor des letzten Aufbäumens, hinter all den Beschimpfungen, Lästerungen und Absagen, der Unduldsamkeit und dem Hass aus enttäuschtem Schönheitswahn bleibt dennoch immer die Frage nach dem Sozialen, nach Möglichkeiten des Zusammenlebens drängend. Und so ist das Ziel dieser Reise ans Ende schließlich doch die eigene Person, der eigene unversöhnte Blick, der alle Versöhnung erst unmöglich zu machen scheint. Oder, wie es in "Das Gewicht der Welt" an anderer Stelle heißt: "Das Abstoßende an Fremden: ich habe ihre Fehler und Untaten noch nicht als die eigenen erkannt."