Malina ist der einzige vollendete Roman der großen österreichischen Lyrikerin Ingeborg Bachmann. Geplant als Auftakt zum nie fertig gestellten Todesarten-Zyklus, beschreibt Malina die Zerstörung des weiblichen Ichs durch das männliche Prinzip. Die namenlose Protagonistin, eine in der Ungargasse im 3. Wiener Bezirk wohnhafte Schriftstellerin, findet sich – zumindest auf den ersten Blick – in einer Dreiecksgeschichte zwischen Ivan und Malina wieder. Malina, „Staatsbeamter der Klasse A“, ist ihr Lebensgefährte, er verkörpert das Realitätsprinzip, die Vernunft des täglichen Zusammenlebens. Ist er eine Person im Außen? Ist er ein Teil ihrer Persönlichkeit? Ihre sich verzehrende Sehnsucht gilt dem etwas jüngeren Ivan, der in unmittelbarer Nachbarschaft lebt. Ihre Hingabe an Ivan ist so bedingungs- wie hoffnungslos: Er behandelt sie nachlässig, verstärkt ihre Ängste und Selbstzweifel.
Eine Pension in Wien 1923, ein Zirkel von Medizinstudenten. Desiree versucht, sich Marie zärtlich anzunähern. Maries Freund, der verwöhnte Literat Petrell, steigt der überambitionierten Irene nach, in der Hoffnung, seine Karrierechancen zu verbessern. Desirees Ex-Geliebter Freder verführt das Dienstmädchen Lucy und stiftet es zum Diebstahl an. Die Studenten experimentieren mit zerstörerischen Spielen um Macht und Abhängigkeiten, treiben sich gegenseitig in menschliche Abgründe. Ihre Sehnsucht nach Nähe und Beziehung wird zu einer verzweifelten, aber erfolglosen Suche.
Ferdinand Bruckner beschreibt die Jugend als Seismograf, reagierend auf die Erschütterung des gesellschaftlichen Gefüges. Wegen der offenen Behandlung der Sexualität erregte das Stück die Gemüter der Zeitgenossen. In den post-68-er Jahren erlebte Krankheit der Jugend eine starke Renaissance. Mittlerweile zählt Bruckners „Jugendstück“ zu den Klassikern der Moderne, denn die Szenen in der Wiener Pension zeugen von überraschender, gar erschreckender Aktualität.
Regie: Henner Kallmeyer
Bühne und Kostüme: Franziska Gebhardt
Dramaturgie: Regula Schröter
Marie: Elena Schwarz
Desiree: Ingrid Noemi Stein
Irene: Michaela Klamminger
Freder: Paul Maresch
Petrell: Mathias Spaan
Alt: Jürgen Heigl
Lucy: Anna Kathrin Rausch
Für Gregor, Bischof im Frankenland zur Zeit der Merowinger, ist die Lüge das schlimmste Übel der menschlichen Natur. Dies trichtert er auch seinem Küchenjungen Leon ein, der sich anbietet, Gregors Neffen Attalus aus der germanischen Kriegsgefangenschaft zu befreien. Leon bezweifelt, dass er Gregors „Weh dem, der lügt!“ in seiner Unbedingtheit entsprechen kann; dennoch versucht er, Atalus unter strikter Einhaltung der Wahrheit zu befreien. Er lässt sich als Koch beim Grafen Kattwald, der Attalus gefangen hält, anstellen, und macht keinen Hehl aus seinem Plan, den Franken zu befreien. Doch gerade diese dreiste Ehrlichkeit führt dazu, dass niemand seine Worte ernst nimmt. Kattwalds Tochter Edrita, die gegen ihren Willen mit dem dummen Galomir verheiratet werden soll, wird zu seiner Verbündeten; sie hilft ihm, Attalus zu befreien, und schließt sich den beiden Männern auf ihrer Flucht von Kattwalds Hof an. Unterwegs stoßen die drei auf eine Reihe von Hindernissen, die es ihnen schwer machen, das bischöfliche Wahrheitsgebot nicht zu verletzen. Schließlich wird Leon eine letzte Prüfung der Wahrhaftigkeit abverlangt: das Geständnis seiner Liebe zu Edrita.
Der junge Regisseur Tobias Kratzer, Preisträger in sämtlichen Kategorien beim Grazer Ring Award 2008, führt mit Grillparzers komödiantisch-philosophischem Märchenspiel zum ersten Mal Regie am Schauspielhaus Graz.
Besetzung:
Bischof Gregor, Graf Kattwald: Franz Xaver Zach
Atalus, sein Neffe: Jan Thümer
Leon, ein Küchenjunge: Florian Köhler
Edrita: Sophie Hottinger
Galomir, ihr Bräutigam: Thomas Frank
Hausverwalter, Schaffer: Franz Solar
Pilger, Fährmann: Dominik Warta
Ein falsch adressiertes E-Mail stiftet den Auftakt für eine "Net-Beziehung", die allmählich außer Kontrolle gerät. Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm verbal angezogen fühlt, schreibt sie zurück.
In Milli Bitterlis Performance geht ihr tanzender Körper immer neue Verbindungen mit den verschiedensten Erzählungen ein: Der
einsame Besucher des Mondes räsoniert über den leeren Raum, verwandelt sich in eine kleine Wolke, verschwindet, erscheint in einem neuen Kleid und vollführt einen expressiven Tanz; der gedopte Marathonläufer lässt sich nach Tausenden von Metern entspannt und als Frau auf einem Bett nieder – in größter und blinder Liebe, schwärmend von einem abwesenden Mann.
Es ist der Theaterraum eines Magiers, der jede Chronologie von Ereignissen möglich macht, und es ist der imaginierende Körper einer tanzenden Erzählerin, der jede Behausung zulässt. Die Performerin bietet keine dauerhafte Orientierung an, sie ignoriert vertraute
Erzählstrukturen und gewöhnliche Hierarchien: Es ist ein „Haufen”, die Akkumulation von Fantastischem und Alltäglichem, von dem, was man erlebt, was man liest, was man weiß und fantasiert.
Choreografie/Tanz: Milli Bitterli
Eine Koproduktion von artificial horizon und brut Wien. Mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien und des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur.
Zur selben Stunde muss der Senat eiligst über Maßnahmen gegen einen drohenden Angriff der Türken beraten. Die heimliche Hochzeit Othellos und Desdemonas wird unter dem Druck der Ereignisse gegen den Willen des Vaters offiziell geduldet, denn auf die anerkannten Fähigkeiten des erfahrenen Söldners Othello kann der Staat nicht verzichten. Er erhält den Auftrag, von Zypern aus gegen die Türken in die Schlacht zu ziehen.
Doch dieser Krieg fällt aus: die feindliche türkische Flotte wird durch einen Sturm vernichtet, während die Schiffe Venedigs wunderbarerweise verschont bleiben. Jago nutzt das entstandene Vakuum, denn plötzlich ohne Auftrag auf der Garnisonsinsel Zypern sind die inneren Feinde der Soldaten leicht zu wecken und mit ihnen die Kräfte, sich gegenseitig zu Grunde zu richten. Riskant improvisierend, indem er jede neu entstehende Situation für seine Zwecke nutzt, treibt Jago den Zerfall jeglicher Beziehung und den Zusammenbruch jedes Einzelnen voran.
Ein längst entzweites Paar begegnet sich wieder. Ein grausamer Schicksalsschlag, der Tod der gemeinsamen Tochter, konfrontiert den Mann und die Frau mit sich und ihrer Vergangenheit. Wie im Traum sehen sie rückblendenartig ihrem Leben noch einmal zu, sie sehen sich als junge, überforderte Menschen, die die Verantwortung für ein ungewolltes Kind tragen müssen und die Konflikte, die daraus entstehen. Bei ihnen ist auch der Freund der Tochter, ein junger Mann, dem die Tochter in den Tod folgte, bevor auch sie, in diesem merkwürdigen Raum der Erinnerung, als junges Mädchen noch einmal erscheint.
Eine Produktion des Schauspielhauses Bochum.
die ältere Frau: Barbara Nüsse
der ältere Mann: Hans-Michael Rehberg
die junge Frau: Sabine Haupt
der junge Mann: Patrick Heyn
die Tochter: Cathérine Seifert
der Freund: Johannes Zirner
Regie: Matthias Hartmann
Bühnenbild: Karl-Ernst Herrmann
Dramaturgie: Thomas Oberender
Kostüme: Grit Gross
Licht: Peter Bandl
Jener kehrt jedoch aus dem Exil zurück – und fordert sein Recht. Der neue „Saubermann“ entfesselt einen Bürgerkrieg. Im Untergang reflektiert Richard II.
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Unter Beteiligung zahlreicher Dorfbewohner wird eifrig an den Vorbereitungen gearbeitet. Ein Moderator wird gesucht, „Künstlereinlagen“ werden gecastet und der Bürgermeister probt seine Begrüssungsrede. Kommunalpolitiker versuchen, sich konstruktiv einzubringen, der Tourismusmanager sprüht vor Kreativität, zahlreiche Brauchtumsverbände und „Stammtisch-Institutionen“ liefern Ideen, aber auch die Kirche will der Veranstaltung ihren Segen geben.
Überhaupt herrscht helle Aufregung, hat sich doch nicht nur ein Überraschungs-Stargast angekündigt, sondern auch das „Fernsehen“!! Zumal der Reinerlös des Benefiz-Abends in Zeiten der Krise keinem guten Zweck gespendet werden soll.
Regie: Peter Scholz
Text: Manfred Koch, Fritz Popp und Fritz Egger
Unser aller Leben ist ein einziges großes Theater, meinte nicht nur der großartige Kabarettist Hans Dieter Hüsch. "... da nur ein Schauspiel unser ganzes Leben", schrieb einst auch Calderón. Seit Adam und Eva - nein noch früher, seit der Schöpfer eine Gemüsekiste voller Erbsen zugeschickt bekam, und er sich fragte, woher sie kommen könnte, denn er kannte niemanden ausser sich - seit dieser Zeit jagen sich die Tragödien und die Komödien, die Kleinigkeiten und die ganz grossen Taten und Torheiten. Davon wollen sie auf der Bühne erzählen und singen, Christian und Franziska Kohlund, vom Mut und der Angst, vom Zorn und der Zärtlichkeit, vom Zweifel und von der Zuversicht.
In „Vivre! Vivre!“ zeigen sie Heiteres und Trauriges, Schmiere und Schminke, Sein und Schein, Erinnerungen, Träume und Illusionen. Ein lustvolles Bekenntnis zum Leben mit dem Theater, zum Theater im Leben. Texte von Luigi Pirandello, Éric-Emmanuel Schmitt oder Franz Hohler bilden den ironischen Kontrast zu den (deutschsprachigen) Liedern, vor allem aber auch zu den Chansons von Serge Reggiani, Juliette Gréco oder Charles Aznavour über die Vergeblichkeit und Vergänglichkeit, den Rausch, das Glück, die Liebe.
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