Im Fokus Bagdad – Kulturhauptstadt der arabischen Welt

Das Morgenland Festival Osnabrück widmet sich seit 2005 der faszinierenden Musikkultur des Nahen und Mittleren Ostens, von traditioneller Musik über Klassik bis zur Avantgarde. Mit dem Schwerpunkt auf einer Region, die als „Orient“ unmittelbar positive wie negative Klischeebilder hervorruft, hat sich das Festival zur Aufgabe gemacht, diesen Bildern ein möglichst authentisches entgegenzusetzen. Das Festival ermöglicht seinem Publikum und seinen Gästen die Begegnung mit dem Anderen als ein Komplexes – mal Verwandtes, mal inspirierend Fremdes.

Für das Jahr 2013 wurde Bagdad von der Arabischen Liga zur Kulturhauptstadt der arabischen Welt ernannt – Anlass für das Festival, diese Stadt in den Fokus des Programms zu rücken. Nach einem musikalischen Gastspiel mit Osnabrücker Chorsängern und Mitgliedern des National Youth Orchestra of Iraq in Erbil, Nordirak, wird das Festival in Osnabrück am 27. September 2013 von dem Irakischen Maqamsänger Hussein Al Adhami und Ensemble in St. Marien eröffnet. Die zweite Konzerthälfte bestreitet traditionell das Morgenland Chamber Orchestra mit Musikern aus dem Irak, Syrien, dem Iran, Aserbaidschan und Deutschland. Solisten in diesem Jahr sind der irakische Sänger Beshar Al Azzawi, die iranische Sängerin Sepideh Vahidi sowie der irakisch-amerikanische Jazz-Trompeter Amir el Saffar. Die Leitung hat Naci Özgüç. Erstmalig wird das Festival heuer ein Konzert in der niedersächsischen Landeshauptstadt veranstalten – in einem fulminanten Doppelkonzert spielen am 28. September die Morgenland All Star Band und die NDR Bigband im großen Sendesaal des NDR in Hannover. Im zweiten Teil knüpft die Morgenland All Star Band mit neuen Kompositionen an ihre umjubelte Premiere beim Festival 2012 an. Die NDR Bigband präsentiert ein Programm mit dem armenisch-syrischen Sänger Ibrahim Keivo, dem Morgenland-Publikum längst kein Unbekannter mehr.
Neben dem vielfältigen Konzertangebot stehen Filme aus und über Bagdad auf dem diesjährigen Programm. So wird eine Dokumentation über die erste irakische Heavy-Metal-Band zu sehen sein. Der Spielfilm Son of Babylon gibt einen bewegenden Eindruck in den von Saddam Hussein befreiten Irak. Der irakische Filme­macher Faisal Al Yasiri berichtet über Dreharbeiten in Bagdad, und Jugendliche präsentieren ihre eigenen kurzen Filmport­räts ihrer Heimatstadt in Bagdad – My Hometown.
Am Samstag, dem 5. Oktober, legt die türkisch-deutsche DJane Ipek ihren sehr tanzbaren und eingängigen Soundmix Eklektik Berlinistan auf den Plattenteller, in den sie – passend zum musikalischen Fokus des Festivals – auch irakische Klänge mit einfließen lässt.
Den letzten Festivaltag krönt eine Premiere. Die kurdische Sängerin Aynur und der weltberühmte Kamancheh-Spieler Kayhan Kalhor treten gemeinsam mit dem aser­baid­schanischen Jazzpianisten Salman Gambarov und dem Saitenvirtuosen Ce­mîl Qoçgirî auf, der Aynur seit vielen Jahren begleitet. 2012 nahmen sie spontan während des Festivals einen Song auf, der bei YouTube in kürzester Zeit Tausende Klicks erzielte. In diesem Jahr debütiert das Morgenland-Projekt in der Lagerhalle. Zu hören sind traditionelle kurdische Lieder, neu interpretiert.
27. September bis 6. Oktober 2013

Informationen
http://www.morgenland-festival.com

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