Expert:innen begleiten die Diskussion zu drängenden ökologischen Themen. Von 11:00 bis 16:00 Uhr.
Der Wind rauscht durch die Bäume, Tiere rufen, Wasser plätschert, prasselt und tost durch die Landschaft. Die Natur ist laut! Und doch bleibt sie in unseren politischen Systemen weitgehend ungehört.
Denn moderne Demokratien sind darauf ausgelegt, menschliche Interessen zu verhandeln. Viele der drängendsten Fragen unserer Zeit betreffen jedoch Akteure, die nicht selbst sprechen können: Tiere, Pflanzen, ganze Ökosysteme!
Das „Parlament der Wildnis“ setzt genau hier an. Es macht diese Leerstelle sichtbar und verwandelt sie in ein konkretes Experiment:
Was wäre, wenn die Natur Teil demokratischer Entscheidungsprozesse wäre?
Nicht als abstrakte Idee, sondern vertreten, gehört, einbezogen?
um für die Natur zu sprechen, müssen wir Strukturen schaffen, in denen wir lernen, ihr zuzuhören – und dieses Zuhören gemeinsam in Handlung zu übersetzen.
Eine neue Form von Parlament
Das „Parlament der Wildnis“ ist eine performative, aber ernst gemeinte politische Versuchsanordnung.
Im Zentrum stehen drei Gruppen, deren Zusammenspiel den fünfstündigen Prozess trägt:
Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft bringen Anträge ein. Sie formulieren konkrete Anliegen – etwa zum Schutz von Lebensräumen, zu Lärm, Versiegelung oder Artenvielfalt – und machen Vorschläge, die im Namen der Natur diskutiert werden sollen.
Junge Menschen übernehmen die Rolle der Entscheidungsträger:innen. Als Senator:innen hören sie die Anträge, stellen Fragen und stimmen schließlich darüber ab. Als Schulsprecher:innen sind sie demokratisch gewählte Vertreter:innen jener Generation, die die Folgen heutiger Entscheidungen am stärksten tragen wird.
Expert:innen begleiten das Geschehen. Sie liefern Hintergrundwissen, machen ökologische Zusammenhänge verständlich und helfen, die eingebrachten Anliegen einzuordnen. Ihre Rolle ist beratend – die Entscheidung liegt bewusst ausschließlich bei den Senator:innen.
Geleitet wird das Parlament von der Verfassungsjuristin Irmgard Griss, die den Ablauf als „Präsidentin“ strukturiert, das Wort erteilt und die Abstimmungen führt. So entsteht eine klare, wiedererkennbare Form – und gleichzeitig ein Raum, in dem sich neue Dynamiken entfalten können und sich der politische Wille der Natur demokratisch manifestieren soll.
Was hier erprobt wird, ist kein perfektes Modell, sondern eine offene Frage in Form eines Prozesses: Wie verändert sich Demokratie, wenn wir die Natur als juristische Person mitdenken?
Vom symbolischen Akt zur politischen Geste
Das Parlament ist keine Übung, die ins Leere verläuft: Die eingebrachten und positiv abgestimmten Anträge werden gesammelt und zu einem gemeinsamen Dokument verdichtet.
Dieses Dossier hält fest, welche Anliegen aus Sicht des Parlaments Gewicht haben – und richtet sich explizit an politische Entscheidungsträger:innen. Es wird öffentlich präsentiert und übergeben.
Gleichzeitig entsteht eine zweite, ebenso wichtige Wirkung:
Das Parlament macht erfahrbar, dass Repräsentation gestaltbar ist. Dass es möglich ist, neue Stimmen in demokratische Prozesse einzubringen – wenn wir bereit sind, die Formen zu öffnen.
Der Rahmen: Stimmen der Wildnis
Eingebettet ist das Parlament in das Festival Stimmen der Wildnis in St. Pölten. Über mehrere Tage hinweg eröffnet es Zugänge zur Wahrnehmung der Natur: durch Vorträge, künstlerische Arbeiten, Workshops und gemeinsame Erkundungen.
Diese Beiträge aus Wissenschaft, Kunst und Engagement schaffen die Voraussetzung für einen gelungen parlamentarischen Prozess: Aufmerksamkeit, ein geschärftes Hören und die Bereitschaft, sich auf andere Perspektiven einzulassen.
Das Parlament ist dann der Moment, in dem dieses Hören in Handlung übergeht.
Sei Teil des Experiments
Das „Parlament der Wildnis“ ist kein fertiges Modell.
Es ist ein Anfang.
Ein Raum, in dem ausprobiert wird, wie Verantwortung anders gedacht werden kann.
Ein Ort, an dem Zuhören politisch wird.
Und eine Einladung, sich selbst in diesem Prozess zu verorten.
Musikalische Begleitung:
Lackenberger / Türker Projekt – Natur trifft Klassik trifft elektronische Musik
Unter der künstlerischen Leitung von Taner Türker (Cellist, Komponist und Musikpädagoge) und dem elektronischen Musiker Matthias Lackenberger, der auch Naturklänge und Geräusche sammelt, entwickeln ehemalige und aktuelle Schülerinnen des BORG St. Pölten Kompositionen zum Thema „Stimmen der Wildnis“. Fieldrecordings aus der Natur St. Pöltens bilden das Fundament elektronischer Klanglandschaften, teils verfremdet und angereichert mit synthetischen Sounds. Live ergänzt wird dies durch die akustischen Klänge eines Celloquartetts – Hannah Berchotteau, Enya Dickson und Annalena Thürauer, unterstützt von Taner Türker –, das melodische und rhythmisch markante Kontrapunkte setzt.
Die Veranstalter setzen bewusst auf „Pay as you wish“ – ein solidarisches Preismodell: Sie zahlen, was sie können und möchten!
| April 2026 | ||||||||
| So. 26. April 2026 11:00 Uhr |
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