Der Kuss, Farbholzschnitt, Original 1898, ­Sammlung Schröderelektrische Tee- und Wasserkessel für die AEG, 1909, Sammlung SchröderGläser, Porzellanservice und ­Besteck, 1900–1901, Sammlung Schröder

Peter Behrens – vom Jugendstil zum ­Industriedesign

Ausstellung im Rahmen des Van-de-Velde-Jahrs in Thüringen und Sachsen in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar.
Fischmarkt 7, D-99084 Erfurt

„Geboren den 14. April 1868 in Hamburg. Im Übrigen Autodidakt“
Derart selbstbewusst sah sich Peter Behrens selbst. Er war einer der Wegbereiter des Jugendstils in Deutschland und einer seiner Meister. Das künstlerische Schaffen von Peter Behrens (1868–1940) umfasst alle Bereiche der angewandten Kunst: Buchgestaltung und Typografie, Malerei und Druckgrafik, keramische Arbeiten wie Fliesen, Kannen und Vasen, Möbel aller Art und für jeden Zweck, Porzellanservice, Schmucksachen, Silber- und Zinnwaren wie Bestecke und Service, Tapeten, Textilarbeiten wie Kleider, Stoffe, Teppiche, Tischdecken, Servietten und Wandbehänge, Trinkgläser, Karaffen und Vasen aus Glas, Werbegrafik, Plakate.
Peter Behrens war als Autodidakt auch Industriedesigner und vor allem Architekt. Nach seinen Entwürfen entstanden während des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts Villen, Wohnbauten, Fabrikanlagen und Arbeitersiedlungen. Es gibt keinen Winkel in Wohnung und Hausrat, Lebens- und Arbeitswelt, in den Peter Behrens nicht gestalterisch eingegriffen und an dem er nicht entscheidend mitgewirkt hätte. Wie Henry van de Velde ist Peter Behrens ein Alleskünstler gewesen. Daneben ist er in der Zeit ab 1901 einer der wichtigsten Architekten der Moderne mit einer Fülle von Industrie- und Verwaltungsbauten, mit Villen und ganzen Wohnsiedlungen. Bekannt ist Behrens zudem als Lehrer von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, und auch Le Corbusier war zeitweise sein Schüler.

Zur Ausstellung
Dem jahrzehntelangen unermüdlichen Eifer eines Hamburger Privatsammlers ist es zu verdanken, dass Schöpfungen aus allen Bereichen von Wohnung und Hausrat, die auf Entwürfe von Peter Behrens zurückgehen, in der Kunsthalle Erfurt ausgestellt werden können. Diese Sammlung enthält nahezu lückenlos das komplette kunstgewerbliche Œuvre von Behrens, exzellente Möbel und Bücher sowie weitere Kunstwerke aus dem Umfeld des Künstlers. Ähnlich der umfassenden Ausstellung zu Henry van de Velde, die zeitgleich in Weimar stattfindet, steht das Werk von Behrens im Mittelpunkt und wird durch ausgesuchte Arbeiten anderer namhafter Gestalter ergänzt. Die Hamburger Sammlung bietet eine Fülle an Vergleichsbeispielen. Dazu gehören seltene, in Deutschland wenig bekannte Objekte von Christopher Dresser. Der um eine Genera­tion ältere englische Designer war einer der Wegbereiter der Moderne um 1900. Kunsthandwerkliche Preziosen der Wiener Werkstätte, so von Josef Hoffmann oder Kolo Moser, sowie Arbeiten von Richard Riemerschmid und Henry van de Velde runden dieses einmalige Gesamtbild ab.
Erstmals seit 1980 erhält der Besucher die Gelegenheit, das umfassende Werk von Peter Behrens im Rahmen des Van-de-Velde-Jahrs in Thüringen neu zu entdecken. Für den Besucher ergibt sich die einmalige Möglichkeit, die wichtigsten Desig­ner der Moderne in Deutschland parallel zu erleben – eine Chance, die in dieser Form nicht wiederkehren wird.
24. März bis 16. Juni 2013

Informationen

Kunstmuseen der Stadt Erfurt, Kunsthalle Erfurt

im Haus zum Roten Ochsen, Fischmarkt 7

Tel. +49 (0) 361/65 55 66-0

Di–So und Fei 11–18 Uhr, Do 11–22 Uhr

[email protected]

www.kunsthalle-erfurt.de

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