Hubert Sattler, Ansicht der Hauptpromenade Paseo Isabel Segunda in Havanna, 1854 © Salzburg MuseumNew York (von Long Island aus), 1854  © Salzburg MuseumHubert Sattler, Mekka, 1897 © Salzburg Museum  Istanbul vom Friedhof Eyüp aus, 1851 © Salzburg MuseumSebastian Stief, Bildnis des Hubert Sattler, 1875 © Salzburg Museum

Sattlers Kosmorama

Eine Weltreise von Bild zu Bild.
Lainzer Tiergarten, A-1130 Wien

Mit dem Zeitalter der Entdeckungen kam auch bei der breiten Bevölkerung die Sehnsucht nach fremden Ländern auf. Dieses neuartige „Fernweh“ wurde im 19. Jahrhundert nicht nur durch Reiseliteratur gestillt, sondern auch durch „optische Zimmerreisen“, bei denen spezialisierte Reisemaler Landschafts- und Stadtansichten aus aller Welt präsentierten. ­Einer der besten und erfolgreichsten Vertreter seiner Zunft war Hubert Sattler (1817–1904). Erstmals seit Langem wird eine größere Auswahl seiner faszinierenden Bilder wieder in Wien gezeigt, die Ausstellung in der Hermesvilla entstand in Kooperation mit dem Salzburg Museum.

Authentische Skizzen auf Reisen
Als Sohn Johann Michael Sattlers, des Schöpfers des berühmten Salzburg-Panoramas, wuchs Hubert Sattler in das Metier eines Reisemalers und Schaustellers hinein. Die ganze Familie bereiste von 1829 bis 1839 große Teile Nord- und Westeuropas per Schiff, um das Panorama von Salzburg in München, Wien, Prag, Hamburg, Berlin, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, Brüssel und anderen Städten auszustellen. Um 1840 übernahm Hubert Sattler die Leitung des Unternehmens, das sich inzwischen auch auf Kosmoramen – großformatige Darstellungen geografischer und kulturhistorischer Besonderheiten aus aller Welt – spezialisiert hatte. Da Sattler großen Wert auf authentische Wiedergabe legte, war sein Repertoire unmittelbar von seinen Reisen beeinflusst, auf denen er eigenhändig Skizzen anfertigte und in späteren Jahren zusätzlich Fotos erwarb. Zu Hause fertigte Sattler dann, von diesen Vorlagen ausgehend, großformatige Gemälde an.
Die Kosmoramen wurden damals allerdings nicht wie herkömmliche Bilder an der Wand präsentiert, sondern zur Erhöhung der illusionistischen Wirkung von abgedunkelten Räumen aus durch stereoskopische Vorrichtungen betrachtet. Hubert Sattler perfektionierte das traditionelle Guckkastenprinzip zu einer Art Hohlweltperspektive, die den Betrachter in das Bild förmlich hineinzieht.

Erfolg am Broadway
Hubert Sattler tourte unermüdlich durch Europa, um seine Kosmoramen vorzuführen. Neben Naturwundern wie dem Grand Canyon zeigten sie auch die wachsenden Städte der Welt wie New York, Mexico City oder Kairo. Zum finanziellen Erfolg des Unternehmens trug der Verkauf von Klein- und Kleinstgemälden bei. Höhepunkt von Sattlers Karriere war ein ausgedehntes Gastspiel am New Yorker Broadway („für ein überaus mäßiges Eintrittsgeld von 25 Cents für die Person“), Berühmtheiten wie die Sängerin Jenny Lind und die Schriftsteller James Fenimore Cooper, William Thackeray und Washington Irving machten ihre Aufwartung. Anschließend gastierte Sattler mit seinen Bildern auch in Boston und Philadelphia. Während dieser Schaustellungen malte er eine Reihe neuer Werke und fand Zeit, nach Motiven für künftige Bilder Ausschau zu halten. Zu diesem Zweck bereiste er Teile der Vereinigten Staaten, Mexiko, die Westindischen Inseln und Yucatán. Die für heutige Betrachter besonders erstaunlichen Stadtansichten von New York, Boston und Mexico City wurden bald nach Sattlers Heimkehr 1854 fertiggestellt.
bis 3. November 2013, Hermesvilla im Lainzer Tiergarten

Informationen
http://www.wienmuseum.at

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