Gustav Klimt (1862–1918), Beethovenfries, 1902 (Detail), Belvedere, WienGustav Klimt (1862–1918), Beethovenfries, 1902 (Detail), Belvedere, WienGustav Klimt (1862–1918), Beethovenfries, 1902 (Detail), Belvedere, Wien

Die Kunst der Linie. Gustav Klimt – Josef Hoffmann – Oswald Oberhuber

Vom Wiener Jugendstil zur Moderne. Drei Positionen, drei Einzelausstellungen.
Hirschbergstraße 38, D-72336 Balingen

Mit Gustav Klimt (1862–1918), dem Maler und Zeichner der Wiener Jahrhundertwende, dem Entwerfer Josef Hoffmann (1870–1956) und dem 1931 geborenen Oswald Oberhuber als zeitgenössischem Künstler zeigt die Stadt Balingen drei Positionen der österreichischen Kunst der letzten 100 Jahre.
Gustav Klimt gilt nicht nur als die international bekannteste Figur des Jugendstils, sondern auch als Wegbereiter der „modernen Malerei“ in Österreich.
Als Präsident der Wiener Secession, die er 1897 zusammen mit seinem Weggefährten Josef Hoffmann und anderen Künstlern gründete, stand er an der Spitze eines Reformwillens, der Wien zur Metropole einer neuen Kunstauffassung machte. Mit dieser neuen Kunstform, dem Jugendstil, wollten die Künstler auf alle Bereiche des Lebens einwirken. Sie strebten nach dem für die Jahrhundertwende so bedeutenden Gesamtkunstwerk, das eine Synthese der verschiedenen Kunstgattungen bilden sollte. Diese Idee manifestierte sich vor allem im neu gebauten, tempelartigen Secessionsgebäude an der Linken Wienzeile in der Nähe des Karlsplatzes, wo 1902 die wohl bedeutendste Gesamtkunstwerkausstellung zum Thema „Beethoven“ gezeigt wurde.
Von Hoffmann stammen die Raumgestaltung und das Raumprogramm, dessen Verlauf auch Klimts Beethovenfries folgte.
Die Stadthalle Balingen stellt – erstmalig in Deutschland – eine originalgetreue Kopie des Beethovenfrieses aus der Österreichischen Galerie des Belvedere ins Zentrum ihrer Ausstellung. Begleitend werden 75 Zeichnungen aus allen Schaffensphasen Klimts und zwei kleine Ölgemälde zu sehen sein. Ausgewählt sind besonders jene, die in Beziehung zu diesem Schlüsselwerk stehen. Die Leihgaben kommen aus Museen und privaten Sammlungen in Europa und den USA.
1903 gründete Josef Hoffmann mit zwei weiteren Secessionsmitgliedern die „Wiener Werkstätte“, die sich vor allem für die künstlerische Aufwertung der Bereiche Möbel, Grafik und Kunsthandwerk einsetzte. Welchen Einfluss diese Künstlervereinigungen auf die folgenden Generationen hatte, zeigt deren starke Auseinandersetzung mit den Wiener Vorbildern in den nächsten Jahrzehnten.
So überführte der Maler, Bildhauer und Grafiker Oswald Oberhuber als Rektor in den 90er-Jahren die Kunstgewerbeschule in die Universität für angewandte Kunst. Schon seit 1899 (bis 1936) hatte Josef Hoffmann an dieser Institution gelehrt. Ihm widmete Oswald Oberhuber 1987 die erste große Retrospektive in Österreich.
Klimts Ausführungen seiner Deckengemälde, Gemälde und Zeichnungen beschreiben den Weg vom akademischen Stil des Historismus des 19. Jahrhunderts zu einer bewussten Abkehr und lebensnähe-ren Erneuerung der Künste zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Linie ist Klimts wichtigstes Stilelement, die er in seinen Figuren und Motiven sensibel einsetzte und in einen spannungsreichen Dialog mit der strengen Komposition zu setzen wusste. Die ornamentale Ausführung verdeutlicht die Hinwendung zum Gesamtkunstwerk, die ganz besonders auch Hoffmann als Architekt, Innenraumgestalter und Designer vertrat.
So lässt sich die speziell wienerische Spielart des Jugendstils mit seinen geometrisch-linearen Formen durch diese beiden Künstler besonders gut darstellen. Oberhuber reagiert darauf, und sein Werk markiert damit den Übergang von der Wiener Moderne zur österreichischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Informationen
Gustav Klimt. Beethovenfries – Zeichnungen
Stadthalle Balingen
10. Juli bis 26. September 2010
täglich 10–19 Uhr, Do 10–21 Uhr

Josef Hoffmann. Ein unaufhörlicher Prozess.
Entwürfe vom Jugendstil zur Moderne
Zehntscheuer Balingen
10. Juli bis 26. September 2010
täglich 11–19 Uhr, Do 11–21 Uhr

Oswald Oberhuber. Raum und Linie
Rathausgalerie Balingen
10. Juli bis 26. September 2010
Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa 9–18 Uhr, So 13–18 Uhr

Stadthalle Balingen
Hirschbergstraße 38, D-72336 Balingen
Tel. (+49-74 33) 90 08-413
[email protected]
www.stadthalle.balingen.de

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