Gerdi Gutperle bei der Arbeit Abbruch oder Neubeginn, 120 x 84 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2010Gerdi Gutperles Interesse an Materialien und künstlerischen Techniken aus Ostasien erwachte bei ihrer Arbeit an den Säulen ihrer

Zeitzeichen

Die Künstlerin Gerdi Gutperle erkennt die Zeichen der Zeit und entdeckt damit ein hochaktuelles Thema für ihre künstlerische Arbeit: das Befinden der Menschen in unserer Gesellschaft, darunter ihre Existenzsorgen und Zukunftsängste.
Heidelberger Straße 9, D-68519 Viernheim

Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Dr. Christina Knapp hat sich intensiv mit dem Werk von Gerdi Gutperle auseinandergesetzt und formuliert treffend die künstlerischen Zusammenhänge: Wichtige Botschaften von Gerdi Gutperle sind für alle begreifbar, wie verrätselt ihre Bildsprache im Gewand großer surrealer Szenen auch daherkommt. Ihr Bildprogramm wird von zwei wesentlichen Quellen gespeist: Versatzstücke aus heute erlebbarer Realität wie die Hochhäuser als Zentren der Macht, der Burj Khalifa in Dubai und antike Landschaften treffen hier auf tradierte Bildmetaphern wie die Himmelsleiter, den Turmbau zu Babel, ein versunkenes Atlantis … Allein das Bild ­einer „Himmelsleiter“, oder auch „Jakobsleiter“ genannt, das für die Sehnsucht nach etwas nicht zu Erreichendem steht, hat über Jahrhunderte hinweg bildende Künstler in seinen Bann gezogen. Gerdi Gutperles gemalte und gedachte Schichten mit ihrem Farbgefühl und ihrer Lichtregie lassen uns Szenen eines Welttheaters erleben, in denen auch das versinkende Atlantis noch mit ästhetischem Genuss betrachtet werden kann. Die experimentelle Mischtechnik vereint gestalterische Möglichkeiten der Fotografie, des Computers und der Malerei und schafft durch ihre raffinierten Überblendungen genügend Freiräume für individuelle Interpretationen.
Die großformatigen Bilder mit den Zeichen der Zeit sind das Ergebnis eines längeren intensiven Prozesses, der mit der Entdeckung eines neuen Motivs begann, das Gerdi Gutperle formal wie inhaltlich für ihre künstlerische Arbeit nutzen konnte: Stufen – Treppen – Leitern. Über Jahrhunderte hinweg wurde von Künstlern das Bild einer Lebensleiter ins Licht geführt, Symbol für Gott, oft stand auch diffuses Licht für die Rätsel des Daseins. Gerdi Gutperle verweist uns als Resultat der ihr eigenen Entdeckungsfreude und Disziplin auf eine Fülle von Stufen – Treppen – Leitern, sowohl in realitätsnahen Bildern und in ihrer surrealen Malerei als auch in den Experimenten mit Installationen.
Zeichen der Zeit – das sind heutzutage auch die großartigen Möglichkeiten, die Kulturen anderer Völker mit geringem Aufwand kennenzulernen. Gerdi Gutperles Interesse an Materialien und künstlerischen Techniken aus Ostasien erwachte bei ihrer Arbeit an den Säulen ihrer Installation Lichterwald, die sie mit einer lebendig strukturierten Haut aus Maulbeerbaumpapier überzogen hatte. Damit entdeckte sie Gestaltungsmöglichkeiten, die sie zu ihren jetzt präsentierten Materialbildern führten. Es sind Bilder von Metamorphosen, welche die Empfindung vermitteln, dass sich die Strukturen in den nächsten Sekunden von ihrem Grund befreien, um zweifelsfrei Skulptur zu werden.
bis 9. Januar 2011

Informationen
Kunstraum Gerdi Gutperle
Heidelberger Straße 9, D-68519 Viernheim
Tel. (+49-62 04) 914 57 30; Di–Fr 14–18 Uhr,
Sa 12–19 Uhr, 1. So im Monat 14–18 Uhr
www.kunstraum-gerdigutperle.de
www.gerdi-gutperle.com

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